Magisches Stadtbuch

Das Magische Stadtbuch lässt Besuchende interaktiv durch zehn Seiten Oberweseler Geschichte blättern und dabei animierte, historische Ereignisse und Gebäude entdecken. Während meiner Zeit bei 21ct Beratung. Kommunikation. Design. wurden wir durch das Kulturhaus Stadtmuseum Oberwesel beauftragt, vier Exponate zu digitalisieren – das Magische Stadtbuch war eines davon und wurde im Rahmen des dive in-Programms gefördert.

Die Grundlage

Das Stadtmuseum Oberwesel zeigte in diesem Raum nur einen klassischen Kupferstich und eine Audiostation, an der Besuchende mit Knöpfen mehr über die berühmten Türme und Kirchen erfahren konnten. Diese herkömmliche Darstellung der Geschichte war jedoch statisch und wenig interaktiv. Durch die Förderung des dive in-Programms entstand die Möglichkeit, diese historische Darstellung auf moderne, digitale Weise zu erweitern. So konnte ein interaktives Erlebnis geschaffen werden, das den Besuchenden eine tiefere und lebendigere Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt ermöglicht.

Die Idee

Das Magische Stadtbuch nutzt den originalen kolorierten Kupferstich von 1580 als Grundlage. Durch das gezielte Entfernen und Hinzufügen von Objekten entstanden zehn neue Versionen des Stiches, die jeweils eine andere historische Epoche Oberwesels zeigen und so die Geschichte lebendig werden lassen. Beim Berühren von Touchpoints auf einer Seite starten Animationen, die bedeutende Gebäude und Ereignisse hervorheben. Ergänzt durch gesprochene Texte tauchen Besuchende nicht nur visuell, sondern auch akustisch in die Geschichte ein. Die langsame Einblendung der Texte ermöglicht es, gleichzeitig die Animationen zu verfolgen und eingeblendete Bilder in Ruhe zu betrachten.

a picture of a touchscreen showing a picture with the text 'Magisches Stadtbuch' in front of the original colored copper engraving by oberwesel
Touchscreen des Magischen Stadtbuchs vor dem originalen Kupferstich von Georg Braun und Franz Hogenberg (ca. 1580).
Nach dem Aktivieren eines Touchpoints: Das ausgewählte Objekt, die Liebfrauenkirche, tritt in den Vordergrund, während der ursprüngliche Kupferstich vollständig verblasst.
Nach dem Aktivieren eines Touchpoints: Nahansicht einer Animation über den 30-jährigen Krieg.
Startseite des Magischen Stadtbuchs: Einführung in die interaktive Nutzung und Navigation durch die historischen Epochen.
Nach dem Aktivieren eines Touchpoints: Der Kupferstich tritt zurück, animierte Objekte rücken in den Fokus.
Nach dem Aktivieren eines Touchpoints: Animierte Darstellung von Text und Bild.
Nach dem Aktivieren eines Touchpoints: Nahansicht einer Animation über ein Dampfschiff.
Die Grundlage des Projekts: Der originale Kupferstich von Georg Braun und Franz Hogenberg, 1580.
Bild einer Nutzerin, die durch das Buch blättert.

Der Prozess

Das Projekt wurde in mehreren Entwicklungsschritten realisiert – jeweils in enger Abstimmung mit dem Museumsteam. Nach jeder Phase folgte ein Testlauf, auf dessen Basis das Konzept weiterentwickelt und verfeinert wurde.

1. Epochenauswahl und Inhaltskonzept
In einem ersten Schritt wurde gemeinsam festgelegt, welche historischen Epochen im Magischen Stadtbuch abgebildet werden sollen. Aus einer groben Dreiteilung (vor dem Kupferstich, zur Zeit des Stiches, danach) entstanden zehn detaillierte Seiten – von der römischen Besiedlung bis zur Gegenwart. So konnten wichtige Türme und Objekte aus der bisherigen Audiostation erhalten bleiben und zugleich neue Aspekte der Stadtgeschichte integriert werden.

2. Erstellung und Bearbeitung der Bildwelten
Im Zentrum stand der kolorierte Kupferstich von 1580, der aufwendig in Photoshop überarbeitet wurde. Objekte wurden entfernt oder hinzugefügt, sodass für jede Epoche eine eigene, stimmige Version entstand. Frühere Epochen erforderten eine völlige Umgestaltung – etwa durch das glätten der leeren Landschaft und das Ergänzen von Holzbauten. Die Stiche wurden in Sprints mit der Kuratorin abgestimmt und Schritt für Schritt weiterentwickelt.

3. Freistellung und Vorbereitung der Touchpoints
Damit Gebäude und Objekte später animierbar und interaktiv nutzbar sind, mussten sie in sich abgeschlossen und freigestellt positioniert werden. Gleichzeitig mussten sie jedoch in der Gesamtansicht korrekt verortet bleiben – ein Balanceakt zwischen Detailarbeit und Gesamtkomposition.

4. Animation und Medienproduktion
Sobald alle Stiche visuell abgestimmt waren, begann die umfangreichste Phase: die Animation. Für jeden Touchpoint wurde ein eigenes Video produziert – inklusive animiertem Objekt, eingesprochenem Text, Bildern, Zeitbalken und Rückführung in den Idle-Zustand. Jede Seite hatte zudem einen Grundzustand mit kleinen Ambient-Animationen, bevor ein Touchpoint aktiviert wird. Das Magische Stadtbuch hatte außerdem eine Startseite, die erklärte wie man interagiert und in welchen Ecken man blättern kann. Insgesamt ergaben sich hieraus über 70 Videos.

5. Implementierung und Feinschliff
Die finale Implementierung auf dem Touchdisplay stellte sicher, dass die Inhalte wie ein Buch durchblättert werden können – mit linker und rechter Seitenhälfte. Diese Teilung der Videos brachte technische Herausforderungen mit sich, die jedoch im letzten Schritt behoben wurden. Nach einem umfassenden Testlauf aller Seiten und Touchpoints war das Magische Stadtbuch bereit für den Einsatz im Museumsalltag.

Die Interaktion

Das Magische Stadtbuch lädt Besuchende ein, durch die Epochen Oberwesels zu blättern. In den Ecken jeder Seite wird dezent angezeigt, welche historische Zeitspanne sich auf der nächsten Doppelseite verbirgt – so entsteht ein intuitives, spielerisches Navigationserlebnis.

Durch das Berühren von Touchpoints erhalten Besuchende tiefergehende Informationen zu Gebäuden, Objekten oder bedeutenden Ereignissen der jeweiligen Epoche. Während dieser Momente steht der Fokus ganz auf dem Inhalt – man kann zuhören oder zurück zur Buchseite wechseln.

Der magische Effekt entsteht durch die Art der Animationen: Beim Aktivieren eines Touchpoints löst sich der Kupferstich langsam in einem Tinteneffekt auf, einzelne Elemente heben sich hervor, bewegen sich oder wachsen – als würde man in ein lebendiges Geschichtsbuch eintauchen. Selbst die Seiten im Ruhezustand wirken geheimnisvoll: Kleine, fast unsichtbare Animationen erwecken die Illustration zum Leben. Begleittexte erscheinen wie von einer unsichtbaren Feder geschrieben und verstärken den Eindruck, dass das Buch selbst erzählt.

Umgesetzte Aufgaben

Konzeption & Interaktive Gestaltung
/ Mitverantwortlich für den visuellen Stil (Tinteneffekt, Typografie, Farbwahl)
/ Mitverantwortlich für die Nutzerführung und das UI-Design der Touchpoints

Bildbearbeitung & Illustration
/ Alle zehn Kupferstiche eigenständig in Photoshop bearbeitet – vom leeren Grundbild bis zur historisch korrekten Ergänzung von Gebäuden, Objekten und Landschaften

Animation & Videoerstellung
/ Sämtliche Touchpoint-Videos eigenständig animiert – inklusive Texteinblendungen, grafischer Elemente und Audiosteuerung

Inhaltliche Abstimmung
/ Enge Zusammenarbeit mit der Kuratorin zur Sicherstellung historischer Präzision – insbesondere bei Textlängen, Objektplatzierungen und Epochendarstellung

Testing & Feinschliff
/ Leitung der Testings
/ Kontinuierliche Optimierung von Animationen, Texten und Übergängen auf Basis von Feedback und Nutzererfahrungen

Verwendete Tools

/ Final Cut Pro
/ Adobe Photoshop
/ Microsoft Excel & Word

Weiterführende Links

/ Magisches Stadtbuch auf der Website des Museums

/ Trailer zum Projekt

Urheberrechtlicher Hinweis:
Diese Arbeiten wurden während meiner Tätigkeit bei 21ct Beratung. Kommunikation. Design. für Kulturstiftung Hütte Oberwesel erstellt. Die Urheberrechte an den Materialien liegen bei den jeweiligen Kunden oder 21ct Beratung. Kommunikation. Design. Mit ausdrücklicher Erlaubnis von 21ct Beratung. Kommunikation. Design. darf ich diese Arbeiten in meinem Portfolio präsentieren.