Betroffenen von Catcalling ein Gefühl von Sicherheit geben. Mithilfe von Gesten können sie nonverbal auf sich aufmerksam machen und Umstehende auf ihre Notsituation hinweisen.
Caring Cat ist eine interaktive Bodenprojektion, die die Notsituation der Betroffenen visuell sichtbar macht. So werden Umstehende zum Helfen aufgefordert. Das System wurde im dritten Semester des Studiengangs Interactive Media Design an der Hochschule Darmstadt entwickelt – in Zusammenarbeit mit Marina Hardt-Mitidieri, Alexander Korolkov und Marie-Lou Weymann.
Die Grundlage
Catcalling. Ein Begriff hinter dem sich viele individuelle Geschichten verbergen. Ein Tabuthema, das endlich öffentlich diskutiert wird. Geschichten und Erfahrungen die geteilt und öffentlich diskutiert werden. Ein Begriff, der in Verbindung mit Angst und Unsicherheit steht und ein Grund dafür sein kann, dass Personen ihre Mobilität einschränken. Und dadurch beispielsweise bestimmte Wege und Plätze meiden oder Umwege nehmen.
Ein blöder Kommentar, eine abfällige Bemerkung oder ein hinterherpfeifen. Das alles kann Catcalling sein. Diese verbalen Übergriffe geschehen Tag für Tag und bleiben meistens ungesehen. Oft ist der Übergriff in Sekundenschnelle vorüber. Ohne, dass Umstehende es mitbekommen. Für die Betroffenen bleibt ein Gefühl der Unsicherheit zurück. Das wollen wir ändern.
Die Idee
Betroffene von Catcalling sollen nicht allein gelassen werden. Viele trauen sich nicht, sich verbal zu wehren oder aktiv Hilfe zu suchen. Caring Cat schafft ein Umfeld, in dem Passant:innen als unterstützende Akteur:innen agieren.
Durch visuelle Signale wird die Notsituation der Betroffenen für Umstehende sichtbar gemacht. Sie werden dadurch aktiviert, einzugreifen und die Interaktion zu unterbrechen – ein sicherer Ausweg entsteht, ohne dass die Betroffenen selbst handeln müssen.








Das System
Das System erkennt Personen, solange sie sich im Sichtfeld der installierten Kameras befinden. Um diese Erfassung sichtbar zu machen, werden weiße Kreise unter den Personen projiziert. Diese folgen den Bewegungen der Nutzer:innen wie ein Schatten – bewegt sich eine Person, bewegt sich auch die Projektion.
Caring Cat reagiert auf Gesten. Befindet sich eine Person in einer Gefahrensituation oder in einer unangenehmen Lage, kann sie das System durch eine „Hilfe“-Geste aktivieren. Dabei werden ein oder beide Arme wie ein Stoppzeichen ausgestreckt. Gleichzeitig wird dadurch automatisch Abstand zur übergriffigen Person geschaffen und ein klares Signal der Ablehnung gesendet.
Die weißen Kreise verändern sich daraufhin zu einer lilafarbenen, pulsierenden Kreisanimation, die in alle Richtungen ausstrahlt. Diese visuelle Veränderung weist Umstehende auf die Notsituation hin und fordert sie zum Eingreifen auf. Sobald die Situation entschärft ist, kann die betroffene Person durch eine abschließende Geste – das Formen eines Kreises mit beiden Armen über dem Kopf – die Projektion zurücksetzen.
Datenschutz und Privatsphäre
Die Erfassung der Personen erfolgt vollständig anonymisiert. Gesichter und andere identifizierbare Merkmale werden nicht erkannt oder gespeichert. Das System ist ausschließlich auf die Erkennung der Objektklasse „Person“ sowie spezifischer Gesten programmiert und funktioniert in Echtzeit – es findet keinerlei Videoaufzeichnung oder Datenspeicherung statt.
Sobald eine Person den Bereich verlässt oder die Projektion per Geste zurückgesetzt wird, werden sämtliche erfassten Daten sofort verworfen. Die Positionen und Interaktionen werden nicht archiviert oder ausgewertet. Die Privatsphäre der Beteiligten bleibt somit zu jeder Zeit gewahrt.
Vor Ort klären Informationsbildschirme transparent über die Funktionsweise des Systems und den datenschutzkonformen Einsatz auf. Das Ziel besteht nicht darin, Täter:innen zu identifizieren oder Orte zu analysieren, sondern ausschließlich darin, betroffenen Personen in belastenden Situationen eine sichere, nicht-konfrontative Möglichkeit zur Signalisierung von Hilfe zu bieten.
Die Technik
Das System ist so konzipiert, dass es im öffentlichen Raum für alle zugänglich ist. Der Fokus liegt auf dem Boden – einem Ort, an dem sich alle Menschen bewegen und begegnen. Auf diese Weise werden alle Anwesenden automatisch Teil des Systems. Zum Einsatz kommen vier Hardwarekomponenten: ein Projektor, eine Kamera, ein großer Screen und ein Computer.
Die Kamera wird so positioniert, dass sie möglichst viele Personen im definierten Bereich erfassen kann. Diese werden über eine Objekterkennung als Nutzer:innen identifiziert. Daraufhin projiziert der Projektor einen weißen Kreis unter die jeweiligen Personen. Gesten werden über eine Bilderkennung erkannt und lösen entsprechende Reaktionen im System aus, wie etwa eine Veränderung der Projektion.
Am Installationsort erklären gut sichtbar platzierte Screens die Funktionsweise des Systems sowie die dazugehörigen Gesten mithilfe von erklärenden Videos. Diese Videos sind mit Untertiteln versehen, um barrierefreien Zugang zu gewährleisten. Zusätzlich steht ein QR-Code zur Verfügung, über den das Video auch mobil abgerufen werden kann.
Weiterführende Links
Urheberrechtlicher Hinweis:
Diese Arbeit wurde im Rahmen einer Teamarbeit im Studium erstellt. Das Urheberrecht wird mit den beteiligten Teammitgliedern geteilt. Ich war Teil des Teams und habe gemeinsam mit Marina Hardt-Mitidieri, Alexander Korolkov und Marie-Lou Weymann zur Entwicklung dieser Arbeit beigetragen.